Englisch nach Maß

Mittwoch, 13. Januar 2016

"Auf der Flucht" …


 Drei Worte, die besonders in Deutschland, eine tiefgreifende Bedeutung haben.

Zu und nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war ein Großteil der Bevölkerung Deutschlands "auf der Flucht."  Es waren überwiegend Frauen, Kinder, alte Menschen.

Diese Menschen flohen vor Gewalt, vor Krieg, vor Zerstörung, vor Hunger, vor Vergewaltigung.  Sie mussten ihr bisheriges Leben, ihr Hab und Gut, ihre Existenz, ihre Heimat zurück lassen.  Sie flohen in eine ungewisse Zukunft, erlebten unglaubliche Entbehrungen, Gräuel, Misshandlungen auf dem Weg.  Sie blieben im eigenen Land, waren aber dennoch nicht willkommen.  Deutschland war zerstört, Städte lagen in Trümmern, auch am vermeintlichen "Ziel" im Westen herrschte Not und Entbehrung.  Das Wort "Flüchtling" trug ein Stigma. 

Es war nicht ihre Schuld, dass sie flüchten mussten.  Sie hätten es sich anders gewünscht.  Sie wären gerne in ihrer Heimat, in ihrem gewohnten Leben geblieben.  Krieg und Gewalt zwangen sie zur Flucht.

Bis heute sitzt das Trauma "der Flucht" tief in den Seelen der "Flüchtlinge".  Viele von Ihnen, die dies lesen, haben Großeltern und/oder Eltern die flüchten mussten.  Die meisten der "Flüchtlinge" haben die verlorene Heimat bis heute nicht verwunden, bekommen immer noch Tränen in den Augen wenn sie davon – und von der Flucht – erzählen.  Und das Stigma des "Flüchtlings" war noch bis in die 70er Jahre in vielen Teilen Deutschlands lebendig.

Jetzt begegnen wir wieder Menschen "auf der Flucht".  Auch sie fliehen vor Gewalt, Zerstörung und Krieg.  Vor systematischen Vergewaltigungen und Misshandlungen.  Auch sie hätten es sich anders gewünscht, wären gerne in ihrer Heimat geblieben, hätten ihr gewohntes Leben weitergelebt.  Ich rede nicht von den sogenannten "Wirtschaftsflüchtlingen", sondern vor den Menschen die vor den Bomben, den Kugeln, dem Tod fliehen.  Die vor genau dem Terror fliehen der Paris getroffen hat, der Brüssel gerade lahm legt.

Ich habe keine Antwort zu den Problemen die für Deutschland, für Europa, durch die Ströme von Flüchtlingen verursacht werden.  Ich hoffe, dass die Politik gute, faire Lösungen findet – und das schnell.  Denn die Situation kann so nicht weitergehen.

Aber, ich wünsche mir, dass diese Menschen, denen oft nur das nackte Leben und die Kleider auf dem Leib bleiben, nicht noch mehr Gewalt erleben müssen wenn sie meinen, dass sie endlich in Sicherheit sind.  Dass sie kein Stigma tragen müssen für eine Situation die sie nicht verschuldet haben.  Dass die gewaltbereiten Elemente unserer Gesellschaft von denjenigen in die Knie gezwungen werden, die Toleranz, Mitgefühl und Verständnis aufbringen.  Dass wir gute, effektive Wege finden, diese Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren.


Keiner von uns weiß, ob wir nicht auch irgendwann einmal ein "Flüchtling" werden…

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