Englisch nach Maß

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Süßes, Saures, Gruseliges

Halloween scheidet die Geister – buchstäblich.  In Deutschland findet sich ein Meinungsspektrum auf voller Bandbreite:  Von toll bis furchtbar ist jede Meinung bezüglich der Jagd nach Süßem vertreten.

Interessant ist, dass sich viele Deutsche von den Kindern an der Tür regelrecht erpresst fühlen.  Dies ist ein absoluter Gegensatz zu den angelsächsischen Ursprungsländern in denen Halloween ein heißgeliebter Brauch ist.

Anstatt Erpressungsgefühl herrscht, z.B. in Kanada und den USA ein regelrechter Wettstreit unter Freunden und Kollegen wer am Halloweenabend die meisten Kinder an der Tür hat.  Je höher die Zahl desto freudiger die Hausbewohner.  Menschen die in kinderreichen Gegenden wohnen werden beneidet, weil sie mehr kleine Geister und Monster an ihrer Tür beschenken konnten.

Warum ist die Wahrnehmung von Halloween so unterschiedlich?  Eine Überlegung könnte sein, dass der Brauch in Deutschland einfach importiert wurde.  Es wurden die Formen, die Handlungen, übertragen, ohne die Hintergründe, das Warum, des Brauchs zu kennen oder zu verstehen.  Quasi ein Verhalten (das Schenken) das viele Menschen in Deutschland als aufgedrängt oder sogar aufgezwungen wahrnehmen.  Die resultierende Handlung des Schenkens erfolgt daher nicht freiwillig sondern unter Zwang.  Aus dieser Sichtweise betrachtet ist die ablehnende Haltung vieler Deutschen gegenüber Halloween durchaus verständlich.

Dazu kommt, dass unmittelbar nach Halloween vielerorts in Deutschland "Sankt Martin" stattfindet.  Da gehen Kinder, mit Laternen bewaffnet, ebenfalls von Haus zu Haus um Süßigkeiten zu erbeuten.  Nicht nur "konkurrieren" hier die Bräuche, auch der Zeitpunkt ist sehr ungünstig.  Wenn Hausbesitzer knapp zwei Wochen nach Halloween schon wieder zur Süßigkeiten Kasse gebeten werden kann dies durchaus zu Unmut führen.

Auch verständlich ist die Sorge vieler Deutschen, dass der schöne Brauch des Sankt Martin vielleicht durch Halloween ersetzt wird.  Das wäre in der Tat sehr schade, denn Sankt Martin sollte wirklich nicht verdrängt oder ersetzt werden.

Einen Brauch von einer Kultur erfolgreich auf eine andere Kultur zu übertragen ist schwierig.  Falls dies erfolgreich gelingt ist in jedem Fall Zeit erforderlich.  Der importierte Brauch muss erfolgreich in die Zielkultur integriert werden.  Ob dies gelingt hängt sicher auch vom Brauch selbst ab.  Es kann daher gut sein, dass in 20 oder 30 Jahren Halloween in Deutschland "angekommen" ist.  Dazu wird die Generation die jetzt an Halloween an Türen klingelt, maßgeblich beitragen.  So entwickeln sich importierte Bräuche zum eigenen Kulturgut.


Wer sich an Halloween nicht beteiligen möchte sollte sich auch nicht dazu gezwungen fühlen.  Dazu ein Tipp aus meiner Heimat, Kanada.  Dort zeigt man durch die Außenbeleuchtung am Haus ob man Süßigkeiten verteilen möchte oder nicht. Brennt die Außenbeleuchtung, dann dürfen die Kinder klingeln, ein dunkles Haus ist ein klares "Nein".   Auch in Deutschland sollte diese Botschaft durchaus ankommen.  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen