Englisch nach Maß

Montag, 11. August 2014

"Je mehr du sie bedrängst desto mehr lassen sie dich abblitzen" Teil 2

Der Container mit den Hilfsgütern war zwar angekommen, aber es fehlte irgendeine "kleine" Formalität in den Verschiffungs-  bzw. den Zollpapieren.  Daher gaben die Hafenbehörden den Container nicht frei.  Sie und Ihre Mitstreiter hatten aber nur wenig Zeit, sie musste beim "Auspacken" dabei sein, um die Geräte und Materialien den dortigen Hebammen und Krankenschwestern zu erklären.  Natürlich wollte sie auch die Freude auf deren Gesichtern sehen.  Dazu kam, dass die Krankenstation beinahe eine ganze Tagesreise vom Hafen entfernt lag. Und jetzt stellte sich eine Beamtin quer!  Wegen einer Kleinigkeit!  Tage vergingen. Es wurden endlose Gespräche geführt.  Mit den Behörden.  Zwischen der Agentur die die Verschiffung organisiert hatte und der Zollbehörde in Ghana.  Und es passierte – Nichts!  Sie wurde immer weiter vertröstet.  Auf später.  Auf morgen.  Auf irgendwann….

Und die kostbaren Tage vergingen.  Und der Container lagerte immer noch unausgepackt in der Zollhalle am Hafen.

In Afrika hat man ein ganz anderes Verständnis von Zeit.  Zeit ist eher ein flexibler, dehnbarer Begriff.  Eine "Deadline" gehört ganz bestimmt nicht zum afrikanischen Verständnis.  Noch schlimmer, je mehr man versucht dem afrikanischen Gegenüber "Beine zu machen" desto langsamer wird der Prozess.  Im Beispiel dieser unglücklichen Hilfsgüter sind die zuständigen Beamten einfach verschwunden.  Waren nicht mehr auffindbar.  Gingen nicht ans Telefon.  Ließen sich verleugnen.  Das Paradoxe dabei war ja noch, dass es sich um Hilfsgüter für ihre Mitbürger handelte.  Die Deutschen taten den Ghanaern damit doch etwas Gutes!  Da wäre doch zu erwarten, dass man ihnen im Umkehrschluss mit aller möglichen Hilfsbereitschaft und Unterstützung begegnen würde.  Stattdessen ging gar nichts! Unverständlich für westlich geprägte Menschen.

Es gab noch eine Art "Happy End" für den Container.  Zwar wurde über eine Woche mit den Zollformalitäten vergeudet, aber, als der Container dann endlich an der Krankenstation eintraf kam eine andere Facette der afrikanischen Kultur zum Vorschein.  Aus dem Nichts tauchten alle möglichen Menschen auf, die halfen den Container wirklich "ruck-zuck" zu entladen.  Dadurch war genügend Zeit für Erklärungen und die Hilfsmittel erleichtern jetzt vielen Menschen das Leben.

Hakuna Matata…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen