Englisch nach Maß

Donnerstag, 28. August 2014

"Das Gleiche in Grün": Von "Laubfröschen", "Zitronen" und Ideenklau

Die Redewendung "Das Gleiche in Grün" ist Alltagssprache.  Aus dem normalen Sprachgebrauch nicht weg zu denken.  Aber kaum jemand weiß, welche interessante Geschichte sich hinter dieser alltäglichen Aussage verbirgt.  Und, welche faszinierenden, interkulturellen Aspekte sich hier wiederspiegeln.

Man schrieb das Jahr 1924.  Der erste Weltkrieg lag 6 Jahre zurück.  Zwischen Deutschland und dem "Erbfeind Frankreich" herrschte tiefste Animosität, regelrechter Hass. Der verlorene Krieg.  Die hohen Reparationen.  Die von beiden Seiten empfundene Ungerechtigkeit der jüngst vergangenen Geschichte.  Es war kein gutes Klima für interkulturelles Verständnis.

In diesem Jahr brachte Opel das erste, am Fließband gebaute, Automobil in Deutschland heraus.  Es kostete stolze 4500 RM (Rentenmark), der Preis eines Eigenheims, und war grün lackiert.  Damals gab es noch, undenkbar heute, keine Auswahl in der Farbe eines Autos.  (Zitat Henry Ford: "Any customer can have a car painted any color that he wants so long as it is black.")  Die grüne Farbe des Opel 4/12 PS erntete ihm schnell den Spitznamen "Laubfrosch".  Er war klein und grün, anstatt groß und schwarz, wie die meisten anderen Autos damals.

Der "Laubfrosch" hatte jedoch einen erheblichen Haken.  Er war ein Plagiat des ab 1922 gebauten Citroën 5 CV, im Volksmund als "Zitrone" bekannt.  Laubfrosch und Zitrone waren Zwillinge, mit Ausnahme einer kaum sichtbaren Abweichung am Kühlergrill und DER FARBE!!!
Citroën wollte sich diesen Diebstahl nicht gefallen lassen und verklagte Opel.  Die Prozesse wurden vor deutschen Gerichten verhandelt.  Obwohl die "Zitrone" und der "Laubfrosch" Zwillinge waren, entschied das deutsche Gericht, dass die Farbe (und die leichte Abweichung des Kühlergrills) einen ausreichenden Unterschied darstellte.  Die unterschiedliche Farbgebung reichte als Begründung aus, um die Klage abzuweisen.

Mit einem Blick auf die Vorgeschichte der beiden Nationen wird offensichtlich, dass hier nicht die Frage eines  Plagiats verhandelt wurde.  Es ging hier vielmehr um die Frage ob, aus deutscher Sicht, eine deutsche Firma sich das geistige Eigentum einer französischen Firma aneignen durfte.  Die Antwort dazu findet sich in dieser Urteilsbegründung. 

"Das Gleiche in Grün" – vier kleine Worte, eine hochinteressante Geschichte!

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