Englisch nach Maß

Dienstag, 10. Juni 2014

Was meinst du damit? Gegensätze zwischen Kommunikation und Sprache

Wir alle sprechen viele Sprachen, nicht nur die "offensichtlichen" wie Englisch, Französisch, Deutsch oder Spanisch, sondern auch FachSPRACHE, VerkaufsSPRACHE oder JugendSPRACHE, Arbeitszeugnisse werden in einer eigenen ZeugnisSPRACHE geschrieben, KörperSPRACHE kann das eigentlich Gesprochene komplett negieren. 

Wenn Ihr Teenager Ihnen von "Hartz 4 TV" erzählt, spricht er nicht über politische Fernsehprogramme, sondern über eine Sendung niedrigen Niveaus.  Wenn ein "Mietmaul" (Jugendsprache = Rechtsanwalt) über "Folgerecht im Urheberrecht" referiert, kann ein Laie daraus nicht unbedingt den Rückschluss ziehen, dass es sich hier um die finanzielle Beteiligung des Urhebers an der Wertsteigerung seines Originalwerks handelt.

Gerade Arbeitszeugnisse sind ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen Sprache und Kommunikation. Wenn dort steht, dass "Frau Schmidt sich bemüht hat, den Anforderungen gerecht zu werden" ist die eigentliche Bedeutung dieser Erklärung, dass Frau Schmidt komplett versagt hat.  In diesem Beispielsatz steht sprachlich eigentlich nichts Negatives, man könnte die Formulierung, rein sprachlich gesehen, sogar positiv auslegen:  Frau Schmidt hat sich angestrengt, um das was man von ihr wollte, zu erledigen.  Aber kommunikativ hat diese Aussage eine ganz andere Bedeutung - und genau hier ist der springende Punkt zwischen Sprache und Kommunikation.

Nicht genug, diese Nuancen zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten in der eigenen Sprache und im eigenen Kulturkreis zu beherrschen, die Globalisierung fordert uns immer mehr, diese Unterschiede auch in anderen Sprachen und Kulturen zu verstehen.

Wenn ein Brite Ihren Vorschlag mit "That's not bad" kontert, ist dies nicht unbedingt ein Grund zur Freude, denn oft bedeutet diese Redewendung genau das Gegenteil.  Eine weitere Falle steckt hinter der Formulierung "With the utmost respect…", diese Phrase zeigt in Richtung "Du bist dumm", "Du redest Unsinn".  Wer das nicht weiß und sich nur auf die rein sprachliche Aussage verlässt, kann dadurch fatal falsche Eindrücke gewinnen oder Rückschlüsse ziehen.

Leider gibt es keine pauschalen Antworten oder Richtlinien zur Meisterung kommunikativer Herausforderungen.  Es ist auch unmöglich, alle Fehler zu vermeiden und immer richtig zu liegen.  Hausaufgaben zu machen, sich gut vorzubereiten, Lernen auf "Fremdes" einzugehen sind die besten Vorbereitungen für kommunikativen Erfolg mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen.

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